griechenland

Erster Bericht aus Athen

Nachdem eine großzügige Spenderin mir zusätzlich zu ihrer Spende für „Wir-helfen-Hellas“ noch einen Flug nach Athen finanziert hat, bin ich am 6.8. abends von Frankfurt nach Athen geflogen.
Die Kosten für den Aufenthalt dort zahle ich selber, da unser Versprechen gilt: 100% der Spenden werden den Notleidenden in Griechenland zukommen. Ankunft in Athen 30 Minuten nach Mitternacht am Freitagmorgen.

Zum Glück holt mich Professor Dr. Dr. Giannis aus Leipzig am Flughafen ab und bringt mich ins Hotel Ikaros im Stadtteil Elleniko. Auch er organisiert eine große Hilfsaktion für sein Heimatland und opfert einen Teil seines Jahresurlaubs für die medizinische Unterstützung verschiedener Krankenhäuser. Ich stehe seit einiger Zeit in engem Kotakt mit ihm und nutze seine Erfahrung. Von ihm höre ich zum Beispiel, dass die Volksklinik Elleniko im Moment ausreichend Spenden erhalten hat - nachdem vielfach in der Presse im Ausland berichtet wurde - und daß augenblicklich die Not in der Klinik Elpis wesentlich größer sei.


Das einfache Hotel Ikarus (*)- ich habe es zufällig gewählt, weil es in der Nähe der Klinik liegt, die ich besuchen will - gehört einer Familie von der Insel Ikaria, daher der Name. Und die Insel trägt den Namen nach der mythologischen Figur des Ikarus, der hier der Sage nach abgestürzt sein soll. Und ich habe vor Jahren den Namen meines Unternehmens - Ikarus-Verlag und Reisen - nach eben diesem Helden gewählt, der das Fliegen entdeckt hat… der eine Vision hatte, und sie umgesetzt hat, …der einen Traum hatte, und danach gelebt hat (sein späterer Absturz ist eigentlich nebensächlich - denn nur wer fliegt, kann auch abstürzen, und wer nicht fliegt, bleibt ewig am Boden).



Nach dem einfachen Frühstück nehme ich zunächst ein schnelles Bad im Mittelmeer - das warme Wasser entschädigt für die Sommerhitze, die zurzeit hier herrscht - und dann fahre ich in den Stadtteil Kareas, wo ich mich mit einer Vertreterin der Organisation „The smile of the child“ verabredet bin.


Diese Organisation betreibt seit 20 Jahren in ganz Griechenland ein Hilfsnetz für Kinder. Ich habe bereits auf meiner homepage www.ikarus-verlag.de berichtet. Es ist eine nichtstaatliche Organisation (NGO), vor 20 Jahren gegründet von dem krebskranken zehnjährigen Jungen Andreas, die ausschließlich von Spenden und Zuwendungen betrieben wird, und für ihre Arbeit zahlreiche Anerkennung, u.a. den European Citizen Price 2011, erhalten hat.


Frau Thodou empfängt mich sehr freundlich und zeigt und erklärt mir die Arbeit der Organisation. Sie besteht aus unterschiedlichen Bereichen.
Zum einen der Bereitstellung eines Nottelefons für Kinder, das rundum die Uhr besetzt ist und in ganz Griechenland genutzt wird und bekannt ist. Zum anderen der Bereitstellung mehrerer Rettungsfahrzeuge, die primär zur Versorgung und Hilfe von Kindern in Not gedacht sind.
Diese Fahrzeuge sind mit Rettungssanitätern besetzt, und sie werden im gesamten Land eingesetzt. Bei Bedarf fahren auch Ärzte mit.



Sie werden bei sonstigen Unfällen eingesetzt und sind ausgestattet mit den üblichen Rettungsmitteln, EKG und so weiter. Mein Fachwissen reicht leider nicht aus, um alles zu verstehen, was man mir zeigt. Der ganze Stolz der Organisation ist ein neues mobiles Gerät zur Versorgung von Frühgeborenen, ein mobiler Brutkasten mit allem, was dazugehört.


Auch der ist natürlich, wie alles was, die Organisation besitzt und betreibt, aus Spendengeldern finanziert. Weiterhin besitzt die NGO mehrere Einsatzfahrzeuge und auch einen großen LKW zur Präventivmedizin. Diese Fahrzeuge fahren regelmäßig und auch auf Anfrage durch das Land und über die Inseln, um Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern durchzuführen und die örtlichen Mediziner vor allem auf dem Gebiet der Kinderheilkunde zu unterstützen und fortzubilden.



Nachdem Frau Thodou mir vieles erklärt hat, zeigt sie mir schließlich eines der Häuser im Stadtteil Kareas, wo zurzeit um die 30 Kinder untergebracht sind. Hier arbeiten Sozialarbeiter, Psychologen, Kinderkrankenschwestern und Lehrer Hand in Hand. Die Kinder in den 14 Häusern, die über das ganze Land verteilt sind, sind im Alter von wenigen Monaten bis zu 18 Jahren, überwiegend allerdings zwischen vier und zehn Jahren.


Seit ein paar Tagen ist auch ein holländisches Mädchen dabei. Vier Jahre alt und irgendwie gestrandet in Athen, und von den Behörden hier im Haus abgegeben. Die Situation ist schwierig, nur eine Mitarbeiterin spricht etwas holländisch. Aber das Kind scheint mir trotzdem gut aufgehoben, bis man vielleicht eine bessere Perspektive findet. Kontakte zu niederländischen Behörden sind aufgenommen, um das weitere Vorgehen zu klären. Ich spreche das kleine Mädchen in seiner Muttersprache an, - es strahlt und zeigt mir freudig sein Zimmer. Drei Bettchen stehen nebeneinander, im Nachbarbett liegt ein farbiger Junge und macht Mittagsschlaf. Sie kennt seinen Namen. Ein Flüchtlingskind, auch irgendwie gestrandet in Athen, sagt mir Frau Thodou.


Obwohl sie nicht direkt in diesem Haus arbeitet, kennt sie alle Kinder beim Namen, kennt ihre Geschichten… Man spürt und sieht sofort, dass die Kinder sich hier wohl fühlen, dass sie gut aufgehoben sind. Es ist viel Lachen und Freude im Haus. Bei vielem muss improvisiert werden, die gesamte Einrichtung ist gespendet, nichts passt wirklich zusammen. Na und… die Büromöbel in dem Besprechungsraum, wo wir anfangs gesessen haben, stammen aus einem Büro der Firma Hewlett Packard. Es gibt graue und weiße Stühle, alles ist ein bisschen unpassend. Daneben steht ein uralter Röhrenfernseher, aber er tut es. Wir sind halt nicht bei Siemens oder der Deutschen Bank…


Der Raum, wo wir sitzen, dient auch zur regelmäßigen Supervision aller Mitarbeiter. Es gibt ausreichend Spielsachen und Kleidung im Haus. In einem Zimmer am Eingang stehen annähernd dreißig Plastiktüten mit alle möglichen Dingen darin. Frau Thodou erzählt, dass dies Spenden der letzten Tage seien, abgegeben von Menschen aus der Umgebung, die die Organisation unterstützen. An Spielsachen und Kleidung herrscht kein Mangel.


The smile of the child hat einen exzellenten Ruf im Land.

Aber man braucht anderes: vor allem Benzin für die Rettungsfahrzeuge, eine neue Spülmaschine einen neuen Herd und vieles mehr. Was mich bei unserem Rundgang am meisten beeindruckt, ist das Lächeln der Kinder: Sie sind fröhlich, sie springen herum, sie kommen auf mich zu und befragen mich, erzählen mir, zeigen mir Ihre Bilderbücher und Spielsachen. Die ganze Atmosphäre zeigt und strahlt aus: Hier stimmt es, hier ist es herzlich. Ich bin sehr berührt und beeindruckt, hier ist so etwas wie Familie…


Ich habe schon früher bei internationalen Jugendbegegnungen griechische Sozialarbeiter kennengelernt und war stets beeindruckt von dem herzlichen Einsatz der Mitarbeiter: die Kinder sind eng bei ihren Betreuern. Es gibt viel Körperkontakt, sie werden in den Arm genommen, sie sind willkommen. Wie schön! Die meisten Kinder sind hier auf Behördenanordnung hier, viele haben Missbrauch erfahren und/oder stammen aus zerrütteten Familien. Die Not hat stark zugenommen in der letzten Zeit, in vielen Familien, die unter dem Existenzminimum leben müssen, nehmen die sozialen Spannungen und Probleme derzeit dramatisch zu. Und die Kinder sind die Schwächsten und am stärksten betroffen.


Zum Schutz der Kinder ist das Fotografieren im Haus untersagt, aber man wird mir Bilder schicken, auf denen die Kinder nicht zu identifizieren sind. Zu ihrer Sicherheit. Am Ende des langen Besuchs vereinbare ich mit Frau Thodou, dass unsere Initiative „Wir helfen Hellas“ die NGO mit 7000 € unterstützen wird. Das Geld wird in einer Art Treuhanddepot hinterlegt und in enger Absprache mit mir ausgegeben. Zunächst sollen eine neue Spülmaschine und ein Herd angeschafft werden, und alle Einsatzfahrzeuge können wieder tanken.


Alle Ausgaben werden durch Quittungen belegt und damit nachvollziehbar sein. Ich bin erschöpft und zufrieden. Ein anstrengender Nachmittag geht zuende und ich fahre ins Zentrum Athens, um noch einen Bummel durch die Plaka und um die Akropolis zu machen. Morgen will ich mir in einigen Problemvierteln ein Bild von der aktuellen Situation in der Stadt machen. Und am Montag bin ich verabredet mit dem Direktor des Elpis Krankenhauses. Auch dort soll große Not herrschen.
Ach ja, zum Schluss frage ich Frau Thodou noch, was sie und die anderen Mitarbeiter verdienen. Ob sie es mir sagen möchte? 800,- €, und sie sind sehr froh, Arbeit zu haben und machen sie gerne. Das habe ich gespürt.


Wenn Sie/Ihr bis hierher alles gelesen habt, ja dann vielen Dank für Zuhören…
Euer Wolfgang Hautumm aus Athen



    Als Anhang noch ein paar Fakten zu The smile of the child:

  • derzeit hat The smile of the child 408 professionelle und 1900 freiwillig aktive Mitarbeiter

  • die Kinderarmut in Griechenland ist von 23% in 2008 auf 40,5% in 2014 gestiegen

  • 700.000 Kinder in Griechenland sind akut von Armut und sozialer Exklusion betroffen

  • 300.000 Kinder leben in Familien, in denen die Eltern arbeitslos und daher auch ohne Sozial- und Krankenversicherung sind

  • die Kinderarmut in Griechenland liegt in der EU an viertletzter Stelle (2013), Tendenz steigend


    Notrufe:

  • bisher 2.755.193 Anrufe bei dem Kinder-Nottelefon, darunter 535.083 schwerwiegende Anlässe

  • täglich etwa 800 Anrufe…

  • 1277 unmittelbare Noteinsätze für 1783 Kinder

  • 34.270 Anrufe bei dem europaweiten Not-Telefon für vermisste Kinder, darunter 920 ernste Fälle; in 148 Einsätzen konnten 141 Kinder wiedergefunden werden

  • das Such-und Rettungsteam ist ausgestattet mit Rettungshunden und speziell im Rettungswesen ausgebildeten Freiwilligen


    Medizinische Hilfe:

  • 4663 Einsätze für Kinder mit ernsten Gesundheitsproblemen; 30% davon waren nicht krankenversichert

  • 10693 Transporte von Kindern mit den eigenen Ambulanzfahrzeugen

  • Unterstützung von 35744 Kindern in den Krankenhäusern von Athen und Thessaloniki

  • 63349 Vorsorge-Untersuchungen an Kindern mit den mobilen Einsatzfahrzeugen

  • die Einsatzfahrzeuge haben inzwischen 359.000 km zurückgelegt

  • mobile Frühgeborenenstation


    Soziales:

  • 1396 stattliche Anfragen zur Aufnahme von Kindern in Not

  • 752 Kinder wurden bisher insgesamt aufgenommen und haben so eine wirkliche Familie gefunden

  • 32 Kinder sind inzwischen erwachsen und werden weiterhin so unterstützt, wie es in einer normalen Familie auch der Fall wäre

  • im Moment betreibt the smile of the child 14 Häuser, verteilt in ganz Griechenland, bewohnt von 370 Kindern

  • zwischen 2002 und 2014 konnten 312 Kinder aus akut lebensbedrohlichen Umständen aufgenommen werden - 1474 ähnliche Anfragen konnten wegen mangelnder Kapazitäten nicht umgesetzt werden

  • 46.700 Kinder und Familien mit ernsthaften sozialen Problemen konnten unterstützt werden


    Organisation:

  • weniger als 3% staatliche Förderung

  • alle anderen Ausgaben werden durch Spenden gedeckt

  • Finanzen werden durch Ernst&Young geprüft; danach gingen weniger als 10 % der Einnahmen in die Verwaltung der Organisation, mit anderen Worten von einem gespendeten Euro dienten über 90 Cent den unmittelbaren Zielen der Organisation

  • TÜV Austria Hellas zertifiziert



und die andere Seite gibt es auch:


bis heute haben The smile of the child geholfen:

mehr als 10.000 Sponsoren und Unterstützer, mehr als 6500 ehrenamtlich aktive Freiwillige…


und Sie gehören jetzt auch dazu - vielen Dank…


wenn Sie jetzt immer noch mehr wissen wollen, weil Sie von der Arbeit von The smile of the child begeistert sind, dann schauen Sie sich doch einmal um auf
www.hamogelo.gr, www.victorproject.eu, www.antibullying.eu